Klaus Reisepage
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Rückreise Russland 5.8.13

 

Es wird gemütlich und unspektakulär zu Mittag aus weggefahren.

Die Strassen in den Norden sind asphaltiert, da geht es hurtig dahin.

Der Regen hält auch nicht groß ab.

 

Nur ein paar ganz kurze Pausen zum Tanken und ein paar Huuschuur essen, die meine Frau noch rausgebraten hat und mich mit denen versorgt, die halten sicher 3 Tage zum Essen….

Einen kurzen Moment dachte ich an Abbruch der Reise. Plötzlich lief mein Motorrad nicht mehr richtig und es nahm untenrum kein Gas an, ich mußte mit Vollgas wegfahren und über 4000 Touren drehen, damit sich überhaupt was tat. Der Gedanke war, es vor der Grenze sein lassen oder weiterfahren und hoffen es hört auf. Es ist ja so, dass man hier echt oft schlechten Sprit bekommt und das merkt man schnell, war schon öfter so. Nun, ich bin weitergefahren, und nach dem nächsten Tanken in Russland wurde es besser.

 

Die Grenze geht echt zackig, das ist schon etwas Anders als in Tashanta im Westen.

Selbst die Russen gehen schnell und unkompliziert.

Von der Grenze bis Ulan Ude sind die Strassen wieder etwas lustig, aufgebrochen mit Sandpassagen, aber was solls.

Am Abend bin ich gemütlich in einem Motel, hab wieder 600 geschafft trotz Grenze und spätem wegfahren und einer Stunde Zeitumstellung, da geht dann noch mehr.

Die Landschaft hier ist wunderschön, leider war es sinnlos wegen dem Regen Fotos zu machen.

 

Ulan Ude bis Kuitun

Ab Ulan Ude war es mal etwas neblig und regnerisch.

Ich mußte in die Stadt und mich um eine Versicherung kümmern.

Anders al an den Grenzen zur Ukraine steht hier niemand, weil es kaum wen gibt, der eine benötigt.

Und bis Ulan Ude war einfach nichts.. Nur ohne Versicherung kann das böse Ärger geben wenn man gestoppt wird.

 

Egal, ab in die Stadt und suchen, erst mal das Glück bei der Sperbank , dort war zumindest ein englisch sprechender Clerk, der mir weiterhelfen konnte wo es das gibt.

Dummerweise hat mich in der Stadt dann ein Autofahrer abgedrängt und ich wollte flockig über die Straßenbahnschienen ausweichen, ohne das ich im Regen bemerkt habe das die 10 cm hochstehen.

Spitz angefahren und diesmal war der rechte Koffer eingebeult. Und Der Kühlerventilator ging nicht mehr, das hab ich aber mit einem Provisorium in den Griff bekommen.

 

Generell ist die Strecke wunderbar, auf dem ganzen Weg gibt es viele Berge, und so richtige Passstraßen.

Leider ist es immer diesig, so dass man nie weit sieht und es schwer ist schöne Fotos zu machen.

Auf jeden Fall ist die Gegend noch einen Besuch wert.

Am Abend hatte ich Pech, als ich mich entschlossen habe, mir eine Unterkunft zu suchen, es hat 250 km gedauert bis ich eine gefunden habe. Zuerst abgerissen, dann überfüllt .

Es ist hier nicht so wie bei uns, da entlang der Straße immer was ist, die Straße geht oft über 100 km, ohne das da auch nur Irgendwas ist, und dann nur ein kleines Dorf.

 

Letztendlich habe ich um Mitternacht eine kleine Gostuniza gefunden, mit WIFI, dafür Klo im Garten ( Rustikal )

Und der Schnupfen plagt mich auch…..

Immerhin trotzdem 800 km geschafft ( wobei wegen dem Hotelsuchen nicht ganz freiwillig )

 

Kuitun bis Krasnoyarsk

Durch meine Verkühlung bin ich erst gegen 10 weggekommen, die ganze Zeit ist hier Nebel, man merkt das es Herbst ist in Sibirien.

AM Baikal war wenigstens Hochnebel, aber der hier zieht richtig schön rein, trotz Pullover.

Auf der Fahrt fällt immer wieder auf, da alte Häuser einfach extrem schief stehen, als ob sie bald umkippen.

Das kommt vom Permafrostboden, der arbeitet hier wie verrückt, sowas ist normal, macht auch den Straßenbauern sehr zu schaffen.

 

Wieder einmal Baustelle, erst 50 km, dann 30 km.

Im Prinzip stört mich der Schotter nicht, der ist gut zu fahren. Im Unterschied zur Mongolei jedoch ist hier einfach richtig viel Verkehr, so sieht man nichts vor lauter Staub, das macht es mühsam. Aber es hilft nichts, man muß durch, irgendwann geht das auch vorbei, und ich hab wieder Staub geschluckt.

 

Wenigstens in Krasnojarsk wieder ein Hotel mit WiFi gefunden, da macht das Allein sein leichter. Noch dazu mit Verkühlung….

Allerdings gehen die Hotels hier nach Stunden, in 12 Stunden muß man wieder raus, das ist der Nachteil, wenn man mal früher aufhören will.

 

Morgen steht Novosibirsk am Plan, mal sehen ob sich das ausgeht, wieder 800km.

Dann hab ich mal eine Strecke vor mir, die ich beim Hinfahren schon gefahren bin. Und ehrlich gesagt, ich bin gespannt was sich in den 5 Wochen alles geändert hat, Herbstmäßig.

Schnitt die 3 Tage liegt bei fast genau 700km….

 

Krasnoyarsk bis Novosibirsk

Es geht wieder los mit Nebel. Ich mußte um 8 Uhr raus aus dem Hotel, weil es immer nur für 12 Stunden geht, aber mir war das Recht, ich wollte ja heute echt bis Novosibirsk, und das sind 850 km.

 

Der Nebel zehrt, es ist so schön feucht und kalt, das nervt richtig. Abe Mittag aber wieder wärmer, wenn auch dann dunstig, aber angenehm zu fahren. Es fällt auf, das hier irrsinnig viel Adler fliegen, möglicherweise Seeadler? Wasser wär ja genug da zum Fischen. Und eine russische Motorradtruppe begleitet mich immer wieder, die ziehen mit weit über 160 über die Bundesstraße, bleiben immer wieder stehen und ich fahre gemütlich meine 110-120 dahin und treffe die dadurch mehrmals am Tag. Aber die pfeifen sich echt nichts, teilweise keine Nummernschilder, überholen die Polizei rechts und links und ich schwitz mich an, weil ich dauernd um die 20 kmH zu schnell fahre.

3 mal hatte ich heute echt Glück mit Radar, da waren sie mit Laserpistolen bewaffnet. Das ist wohl von Rayon unterschiedlich, wie scharf die sind, teilweise sieht man 500km keinen Polizisten, und dann wenn man sich einer großen Stadt nähert gleich alle 10 km einen.

Was mir auch auffällt, es ist  viel mehr bewaldet, und zwar deutlichst, und viel hügeliger, die Straße ist hier teilweise echt schön kurvig, dazwischen wieder lange Geraden.

Radfahrer sehe ich ohne Ende, es gibt viele, sowohl Europäer als auch Russen, die auf dieser Hauptverkehrsverbindung mit dem Rad durch Sibirien fahren. Aber normale Motorradfahrer wie mich hab ich die 4 Tage vielleicht 4 gesehen, ich denke, das wird ab Novosibirsk mehr werden.

 

Ich bin auch gespannt, ob ich die beiden Deutschen Motorradfahrer treffe, die ich in Ulan Bator im Oasis kennengelernt habe, die sind mit einer 1200RT und einer großen Varadero von Ulaanbaatar nach Kharakorum aufgebrochen und wollten einen Teil der Nordroute machen und dann an die Grenze und am Wochenende Richtung Moskau und Baltikum. Genau die gleiche Strecke die ich auch fahre.

Mit den Motorrädern ist das richtig sportlich in der Mongolei, ganz großer Respekt wenn die das schaffen, bis Kharakorum ist ja Asphalt, aber der Teil der Nordroute, na Bravo, das war für unsere Motorräder teilweise stressig. Aber wenn Ihr Plan aufgegangen ist, müßten die einen Tag vor mir sein, wenn nicht, dann sind die hinter mir, und ich bin KM mäßig schon gut unterwegs, habe trotzdem meine Pausen und fotografiere, sofern das in dem Nebel Sinn macht.

 

Unterwegs wollte ich mal stehen bleiben um einen Kaffee zu trinken und einen Hot Dog zu essen ( die Huuschuur meiner Frau, die sie für die ersten 2 Tage gemacht hat haben bis heute Mittag gehalten = 3,5 Tage), spricht mich ein Russe auf Deutsch an, hat der 10 Jahre in Österreich gewohnt. Da wird man mit der typischen Gastfreundschaft sofort eingeladen.

 

Am Nachmittag vor Novosibirsk wird es richtig heiß, der Dunst ist fast weg und es sind wieder Wolken da, so wie ich es vom herfahren kenne.

Was auch immer wieder zum Lachen ist, der Zustand der Trucks, das würde bei uns schweren Regelverstoß geben. Aber hier geht es in der Wildnis oft darum, das man einfach weiterfahren kann, egal wie, da werden viele Trucks ( große Sattelschlepper ) nach Pannen am Wegrand geflickt, dem russischen Improvisationstalent wird da wirklich große Ehre getan.

Wenn man bedenkt, vor kurzem war ich hier in Novosibirsk und das war für mich der Inbegriff von Sibirien und „Weit weg“, und nun komme ich von nochmal über 2500km Luftlinie weiter östlich, das hat was……

 

Novosibirsk bis Omsk

In letzter Zeit wache ich bald auf.

Ich hab ja meine Taktik geändert und fahre sehr bald los, dafür höre ich Abends früher auf und hab doch sehr gute kM Leistungen.

Heute fängt der Tag mit Starkregen an, ich wache von dem Getrommel der Tropfen auf.

 

Na Super. Wenn man während der Fahrt in den Regen kommt ist das irgendwie egal, aber wenn man so wegfahren muß, dann wird es fad. Aber mit einer guten Eierspeise und endlich einem gutem Kaffee geht das schon. Sind ja nur 200km Regen, dann endlich eine Pause. Irgendwer hat mal gesagt, das es im Herbst weniger Gelsen gibt, aber das wissen die Gelsen hier nicht. Weg hier.

 

Den ganzen Tag treffe ich Unmengen von Motorradfahrern auf der Strasse, die Richtung Novosibirsk fahren, ein Motorradtreffen dort. Super, wenn ich das vorher gewußt hätte dann wär ich da hingefahren. Ich hab den ganzen Tag schon total Bock auf gutes Schaschlik, aber da es wieder regnet, hat auch keiner dieser Grills eingeheizt.

 

In Omsk komme ich um 16 Uhr an, ab ins Ibis Hotel. Das deswegen, weil man hier die Registration für die Immigration bekommt, die normalen Gostinizas machen das nicht, die geben auch keine Rechnung. Und den Zettel hat man besser wenn man ausreisen will, das spart viel Ärger.

 

Den restlichen Nachmittag verbringe ich damit, am Fluss in den Parks rumzulungern, da gibt es viele Lokale, alles ist draußen und feiert.

In einem Lokal im Park bekomme ich mein Schaschlik und mein Bier, und dann fängt ein Duo zu singen an. Laptop und Plastikboxen und los geht’s. Ist üblich hier, als ich das in Odessa zum ersten Mal sah hab ich gelacht, aber das war noch in mehreren anderen Lokalen so, wo ich hin bin. In dem Lokal ist es lustig, am Nebentisch hacken sich 3 Hausfrauen Vodka und Dunkelbier in die Birne, können nicht mehr gerade gehen, die Männer vom Nebentisch wittern Ihre Chance, vermutlich nicht zu Unrecht. Wiederum daneben sitzen 2 Schicki Mädels und machen dasselbe, nur mit Sekt. Ganz Iustig diese Szenerie. Ich bin dann abgebogen, als eine besoffene Hausfrau immer nett gelächelt hat, dann doch lieber noch ein Schaschlik und ein Bier anderswo….

 

Es ist schön, einmal früher aufzuhören und zu relaxen, hab ja trotzdem wieder 650 km geschafft.

Morgen wird der Schnitt wieder nach oben gedrückt…..

Was mir so nebenbei ausfällt: Egal wo, die Leuten brauchen unbedingt große HD taugliche Fernseher. Aber dann haben sie ein Bild, was nicht mal annähernd sauber ist. Aber das stört niemanden. Tut es eigentlich auch nicht….

Was man sonst noch merkt: Die Russen lieben das Leben. Und wissen wie man das macht.

 

Omsk bis Kurgan

Heute mal nach einem superlecker Frühstück total motiviert abgefahren.

Wieder mal Nebel, eh klar. Diesmal lange und zäh und relativ dicht, und es wird schnell klar, das es lange geregnet haben muß in der Nacht.

 

Irgendwann dürfte ich kurz nach Omsk am Navi eine Abzweigung übersehen haben, und das Navi hat neu geroutet ohne das ich es bemerkt habe. Ich wundere mich noch, das ich so gar nichts wiedererkenne, hätte ich mich hier ja auf 1-2 bekannte Stellen gefreut, die ich wieder sehen wollte. Plötzlich stehe ich vor der Kasachischen Grenze am Schlagbaum, der sich 100 Meter vor mir im Nebel auftut.

Der Zöllner hat mich auch komisch angesehen, als ich ihn fragte ob das hier Kasachstan ist. Kein Visa dabei, gut dann zurück. Kleiner Umweg von 200km. Ich bin dann aber eine Abkürzung über die Dörfer im Hinterland gefahren, das war echt nett, da sieht man nochmal große Unterschiede. Abseits der Hauptstrecke sind die Strassen gleich ganz anders. Nämlich meist nicht asphaltiert. Hatte eine schöne 100km Schotterpiste die gut zu fahren war. Geschafft in 2 Stunden. Auf der Hauptstrecke dann auch gleich wieder ein paar bekannte Punkte. Mich hat interessiert, ob sich die im Herbst ganz anders präsentieren. Tun sie, War schön den Unterschied so erleben zu dürfen.

 

Beim Hinfahren sind wir bei Ischin über ein ca 30 km langes Stück gefahren, das war eine üble Piste, Lehm und viele Schlaglöcher. Autos und LKW können das nur im Schrittempo fahren, wir sind damals echt zügig durch. Nur das es diesmal eben vorher mal stark geregnet hat und es eine volle Schlammpiste war. Im Schnitt 5-15 cm. Die Strecke mit 5cm ging gut und war einigermaßen griffig, die Strecke mit 15 cm war übel und fast unfahrbar. Das auch noch zwischen LKW und Gegenverkehr .

Ohne die Stollenreifen wär das vermutlich kaum möglich gewesen. Auch wenn die Stollenreifen auf Asphalt nerven, hier waren sie im Vorteil.

 

In Kurgan hab ich mich wieder in eine Gostiniza geworfen, wo wir auf der Hinreise waren, das hat die Planung erleichtert. Und auf die Strapazen des Tages hab ich mir noch einen Vodka und ein paar Bier zum Essen gegönnt.

 

Kurgan bis Ufa

Heute endlich Sonne in der Früh.

Das ist was für das Gemüt.

Ich muß im Moment immer Öl schauen, ich hab den Verdacht, das meine TA das 5W40 nicht will, außerdem drückt es bei den Kupplungsdeckeldichtungen auch Öl raus ( klar wenn man die Dichtung 3 x verwendet )

Sonst ein Sonntag mit viel Verkehr. Heute stehen die Strassenhändler mal richtig viel rum.

Es ist abartig, was die für Unmengen an Beeren ( Erd,- Him,.Heidel,.Brombeeren usw ) und an Pilzen aus den Wäldern rausbringen. Eierschwammerl und Herrenpilze Kübelweise. Aber nicht nur eine Person, Hunderte auf dem Weg…..

 

Den ganzen Tag hab ich schon wieder Bock auf ein leckeres Schaschlik. Und entdecke zufällig ein Schaschlik Lokal, was wir beim herfahren besucht haben und was gutes Schaschlik hatte. Also rein da, warum was Neues probieren wann das Alte perfekt war.

 

Auf dem Weg nach Sim diesmal eine Superbaustelle. Unendliche Weiten an Kolonne, sicher 20 oder 30 km. Selbst bis ich mit mit dem Motorrad da durchgeackert hab, hat das gedauert, dabei bin ich Großteils auf dem Bankett echt gut vorwärts gekommen.

Dadurch hab ich auch nur knapp über 700km geschafft, eigentlich wollte ich gerne noch mal einen 100er drauflegen, aber Pech gehabt.

Morgen ist eh wieder Zeit Umstellung, da gewinn ich eine Stunde und damit geht sich das dann wieder aus.

 

Was mir auch immer deutlicher auffällt.

Die Flüsse sind in den Städten meist nicht reguliert.

Damit ergeben sich riesige Strände aus Sand oder Schotter, wo die Leute Party feiern, baden oder Lagerfeuer machen und Grillen. Die Stimmung hat schon was.

Ich bin in Ufa gelandet und werde mir morgen Früh die Stadt noch mal kurz ansehen.

Soll angeblich schön sein, mal sehen.

 

Ufa bis Liscovo

Heute wieder mal kein Nebel, es ist in der Früh schon heiß. Los geht’s….raus aus der Stadt. Was mir im Osten got gefällt, das die Ampeln in den Städten zum Großteil Sekundenanzeige haben, wie lange noch Rot oder Grün ist. Das ist superpraktisch und sehr angenehm.

 

Seit Cheljabinsk ist auch alles zweisprachig ausgeführt, Kasachisch und Russisch, es gibt doch Unterschiede in Schriftzeichen und Schreibweise. Das zieht sich rauf bis ca 500km vor Moskau.

Seit Omsk werden auch die Obstbäume immer mehr, hier sieht man wirklich viel davon. Allgemein wachsen hier mehr als nur Birken und Föhren..

Die Dörfer wo ich durchfahre sind viel bunter als im Osten und es kommen die ersten Ölfelder.

 

Ebenso sieht man viele Islamische Zeichen und Moscheen neben orthodoxen Kirchen. Die Religionen im Allgemeinen sieht man hier sehr schnell was wo ist. Im Raum Ulan Ude und Baikal, und von dort doch relativ lange westlich sieht man viele buddhistische Stupas und Bäume mit blauen Bändern, daneben auch Orthodoxe Kirchen. Dazwischen immer wieder Moscheen. Die Zeitumstellung hat mir heute wider 2 Stunden geschenkt, deswegen waren die 850 km trotzdem ohne Stress, weil eben 2 Stunden mehr Zeit.

 

Vor Tagen hab ich noch gefroren, heute ist es wieder sauheiß. Aber irgendwas ist immer. Da bringt das Gewitter eine angenehme Abkühlung und langsam das Zeichen, eine Unterkunft zu suchen.

Dabei treffe ich Aleks und Ilona, beide haben Freitag geheiratet und sind mit einer BMW K100 von Perm in die Flitterwochen unterwegs, irgendwo westlich von Moskau.

Wir fahren gemeinsam herum um eine Pension zu finden. Mit Russen geht das gleich noch besser.

Morgen werde ich durch Moskau kommen, und dann sollte es nur mehr ein Tag ins Baltikum sein. Lettland und Litauen rufen auf dem Weg nach Hause.

 

Liscovo bis Afansovo

Wieder Glück, in der Früh um 8 ist es schon heiß und sonnig.

Erste Stadt Nischi Novgorod, die ist natürlich schön groß, eh klar. Aber die Städte hier werden allgemein viel schöner und interessanter. Die Wolga wird wieder mal überquert, die hat hier immer noch Dimensionen und die Brücken, mit der man die überfährt sind verdammt hoch, die Schiffe darunter klein obwohl die sicher riesig sind.

 

Die Wolga begleitet mich ja schon sehr lange. Bei der Hinfahrt über Volgograd und bis Ufa, bei der Rückfahrt von Ufa bis weit Richtung Moskau…

 

Heute ist es wieder mal so ein Tag, wo viele Autos hupen und die Leute rauswinken und den Daumen nach oben zeigen.  Selbst die Polizei läßt mich in Ruhe, obwohl die auf Teilen der Strecke richtig stark präsent ist, das sah teilweise nach Planquadrat aus. Trotzdem ist in Wahrheti eigentlich viel weniger Polizei auf den Straßen am kassieren als bei uns. Wenn man bedenkt, das ich jetzt 12500km durch Russland gefahren bin, das ohne Kontrolle und eigentlich wenig Polizei.

Es gibt nur ein paar Stellen, wo sie richtig dicht auftreten, das merkt man aber sofort und dann heißt es echt mal runter vom Gas. Wenn ich morgen die letzten 400km ohne Strafe schaffe, dann wär ich gut durchgekommen.

 

Je näher man Moskau kommt, desto stärker der Verkehr. Ich hab ja lange überlegt, ob ich durch Moskau fahre oder rundherum, und da 400km vorher schon der Verkehr dicht wird eine spontane Entscheidung, obenrum.

Dazu kommt, das man alleine mit dem Motorrad nicht wirklich viele Sachen schön anschauen kann, man muß immer auf das Gepäck aufpassen.

Dann doch lieber mal einen Städteflug und mit der Frau her, und dann genauer ohne Stress ansehen.

 

Die A108 rund um Moskau ist auch eine schöne Strecke, es dürfte sich hier um einen Platz der „Besseren „ handeln. Dacia Siedlungen mit dem Namen „Prestige“ und viel Security lassen das so vermuten.

Auch die Landschaft ist hier im Norden Moskaus sehr schön und die Städte durch die man kommt sehr interessant und sauber.

Am Nachmittag hab ich mir den Luxus geleistet und bin in einem McD eingefallen, wegen dem WiFi.

 

Und Abends das Hotel, das wohl ein Designer aus Bollywood entworfen hat.

Morgen hab ich vermutlich den letzten Tag in Russland vor mir.

 

Afansovo bis Grenze

In der Früh um 6 bin ich aufgewacht, weil gerade ein schweres Gewitter durchzog.

Bravo, das war es was ich noch brauchte, aber um 7 war das durch. Da ich nicht mehr schlafen konnte hab ich gepackt und war vor 8 auf der Straße. Trotzdem wieder arschkalt, und er Regen kam 100km später wieder.

 

ES waren wieder mal über 300 km Baustelle davon über 100 im Schlamm. Der war diesmal harmlos und griffig. Sonst wäre das Tagespensum nicht zu schaffen gewesen. Unterwegs immer wieder lustige Sachen zu sehen, Entlang der Straße stehen hunderte Störche, die fliegen dann auf wenn man kurz vor Ihnen ankommt, hab mehr als einmal den Kopf eingezogen. Schlange dürfte auf der Speisekarte der Störche hier ganz oben stehen, da sind einige mit Schlangen abgeflogen, also dürfte es die hier geben. Und überall Warnschilder wegen Bären und Elchen. Die Straße wirkt teilweise, als hätte bei der Planung wer mit einem Lineal eine Linie gezogen .

 

Die Grenze geht erstaunlich schnell, zumindest bei den Russen. 15 Minuten und ich war durch. Wow. Superprofessionell.

Dafür die Letten langsam und genau.

Kommen mal mit Drogenhund, ob ich Drogen habe? Nein aber eine Wurst im Koffer! Gut, Hund bekommt keine Wurst.

Ob ich Benzin mithabe? Natürlich, ( deute auf den Tank ) Ohne fährt ein Kraftfahrzeug nicht.

Ob Ich Alkohol mithabe, Natürlich, eine Flasche Vodka, ich komm immerhin aus Russland!
Ob ich meine Sachen aufmachen soll? Nein , er vertraut mir ( da muß ich lachen ) .

 

Also eines weiß ich, Russland und Mongolei waren die besten Länder wo ich Erfahrungen durch solch eine Reise machen konnte.

Beide Länder sehen mich wieder.

Die Mongolei steht bei mir ganz oben, da habe ich ein Land kennengelernt und bin darin eingetaucht wie ich es nicht erwartet hätte.

Auch ohne meine Verwandten hätte ich das Urteil abgegeben, aber mit diesen Erfahrungen durch die Menschen wurde es noch intensiver.

 

Russland steht auf Nummer 2 und ist ein ganz besonders Land.

Unglaublich freundliche und hilfsbereite Menschen, die haben ein lachen was wir bei uns wenig kennen. Bei uns wird immer gejammert, dort wird halt mit den Schultern gezuckt und das Beste daraus gemacht.

 

Ich für mich weiß, das ich Russland noch öfters besuchen werde und meine Erfahrungen in dieses Land intensiviere. Ich habe sowas von netten Menschen getroffen und eine Freundlichkeit erfahren, die mich als Mitteleuropäer beschämt.

Wenn man hier als Ausländer kommt, wird man mit offenen Armen empfangen, wenn bei uns ein Ausländer kommt, dann schaut man mal, ob der nichts klaut.

 

Meine Einstellung zu dem Thema war immer schon offener, hat sich aber definitiv nicht mal geändert. Ich für mich weiß, ich werde diese Gastfreundschaft zurückgeben.

Und ich werde weiter Russisch lernen.

 

Fakten:

Rückreise 10 Tage ab Ulaanbaatar bis nach Grenze Russland / Lettland

Über 7500 Kilometer bis zur Grenze Lettland.

Mindesten 20 Bier und ein paar Vodka.

Keine (!!!) Polizeikontrolle in über 12500km Russland bei Hin und Rückreise

( Aber ich bin eh immer brav gefahren und hab alle Beschränkungen eingehalten, wie sonst auch )

Und ich hab mich in das Land verliebt!!

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© Klaus Hübner