Klaus Reisepage
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Die Grenze war schnell und unkompliziert durch. Knapp über eine Stunde, freundliche Zöllner, Papiere auf Deutsch zum Ausfüllen.

Für die Motorräder geht das auch problemlos. Direkt nach der Grenze Versicherung abgeschlossen, ist deutlich billiger als wenn man vorher in der Ukraine kauft. Am Anfang war noch die Ehrfurcht beim Fahren, denn man hat ja viel über die Polizei in Russland gehört.

Radarkästen, die vor Bäumen mit Tarnnetzen (!!) versteckt waren und Ähnliches hat mal für Vorsicht gesorgt. Der Verkehr war aber gleich mal anders, etwas heftiger.

Die Monumente werden auch gleich mal viel Größer und Eindrucksvoller. Rinderherden und Cowboys mit Pferden, man wird an alte Western aus den USA erinnert.

Was wirklich auffällt das ist die Freundlichkeit, mit der einem überall begegnet wird.

Verlassene und verfallene Kolchosen prägen das Bild, alte kommunistische Bauten, die vergammeln und Bahnübergänge, die zeigen das man kein Vertrauen in Autofahrer hat und auf Nummer sicher geht. Wobei auch die Züge riesig sind.

Als wir in Wolgograd ankommen zeigt sich schon einmal die Größe der Stadt und der Wolga. Lange Sandstrände überall. Wenn man bedenkt, was für furchtbare Dinge hier in der Vergangenheit passiert sind, dann wird mir zumindest heute noch klamm im Hals. Die Stätten und Wunden des Krieges sind heute noch zu sehen und wirken bedrückend. Auch ein Besuch der Statue Mamaia Kurgan ( Der heiß umkämpfte Hügel ) hat eine eigene Ausstrahlung. Hier in Wolgograd hat uns ein junger Anwalt angesprochen, der hat und durch die Stadt geführt und viel erzählt, mit seinem Wissen sind wir später auch gleich mal schneller unterwegs gewesen……..

Die Landschaft hier ist ganz leicht hügelig, aber eher flach und wild zerklüftet. Neben den Strassen überall „Raststationen“ also eher eine Ansammlung an Schaschlikverkäufern ( was richtig gut ist ) und Reifenhändlern, die schon abgefahrene Autoreifen verkaufen.  Viele kleine und große Gewässer einfach überall.

Die Strassen werden langsam endlos lang, trotzdem abwechslungsreich, es sind viele Birken zu sehen, teilweise aber in kaputten Zustand durch die Larven eines weissen Schmetterlings.

Die Stadtdurchfahrten bieten Abwechslung und die Strassen verlangen hier schon permanente Aufmerksamkeit wegen der vielen Schlaglöcher, sind aber trotzdem OK zu fahren.

Wir finden immer Unterkunft in sogenannten „Gostinizas“ kleinen Hotels am Strassenrand, wo man auch noch kaltes Bier und Essen bekommt. Preis im Schnitt 10-12 Euro pro Person für Übernachtung. Unsere Gebärden für Ham and Eggs und Ähnliches Essbares sorgen für viel Heiterkeit bei den Kellnerinnen, wenn wir Hühner imitieren (-:

Nach Samara wird es etwas bergiger, wir erreichen SIM ( ja, SIM City gibt es wirklich ) in den Ausläufern des Urals. Hier sehen wir auch überall Bärenwarnschilder neben der Strasse und einen gefangenen Bären, der sich einen runterholt ( ja, im Ernst ) Hier haben wir erstmals seit der Russischen Grenze etwas Regen, aber nur 5 Minuten und leicht.

Kurz darauf treffen wir eine Motorradgruppe aus Deutschland, 3 Personen aus der Umgebung Hamburg, die seit 15 Jahren ihren Urlaub in Russland verbringen und eigentlich schon überall waren.

Es ist sowieso normal das man stehenbleibt wenn man auf andere Biker trifft und plaudert, auch mit Russischen Bikern funktioniert das trotz der Sprachbarriere echt gut.

Hier überqueren wir auch den Ural, erreichen Asien und sind damit auch in Sibirien.

Wir sind nun 10 Tage unterwegs und erreichen Omsk. Hier beschließen wir, das wir uns mal ein nettes Hotel gönnen und auch damit die Registrierung erledigen. Das kann nämlich durchaus ein Problem werden, wenn man sich nicht registriert, nämlich bei der Ausreise. Zumindest etwas Stress und „Erledigungsgeld“ verursachen. In Omsk wurde es das Hotel IBIS, und es war herrlich.

Omsk ist so nebenbei eine wunderschöne Stadt, die es sich anzusehen lohnt. Überhaupt sind diese Sibirischen Städte total unterschätzt. Groß, teilweise prachtvolle Bauten und Innenstädte, überall Leben in den Städten und Russen die den Sommer feiern. Die Russen lieben eindeutig das Leben.

Als wir am nächsten Tag aus Omsk ausfahren, treffen wir einen Motorradfahrer der sofort vorfährt und uns den schnellsten Weg aus der Stadt zeigt, ganz selbstverständlich hier.

Überall sieht man riesige Blumenfelder in Blau oder Gelb, Birkenwälder und kleine oder große Tümpel.

Seit dem Ural befinden wir uns auf Permafrostboden, 3 Meter unter uns ist der Boden Eis, das wird so bis Ulanbator bleiben.

Teilweise gibt es Gegenden, da kann man wegen der Moskitos einfach nicht stehenbleiben oder den Helm abnehmen. Wenn man mal ins Gebüsch muß sollte man sich das genau überlegen, denn der Hintern ist dann nachhaltig zerstochen.

Hier nach Omst haben wir Kelvin getroffen, einen Amerikaner, der hatte nur mehr für 2 Tage Visa und mußte dringend die 3000km bis zur Grenze hinter sich bringen, und das mit gebrochenen Fingern an der Gashand. Als wir Ihm erklärten, das ist nicht zu schaffen, wenn man 7-800km am Tag macht auf den Strassen und dem Verkehr dann ist man gut, da hat er uns seine Rechnung erklärt, er fährt 100 km/H die Stunde, also sind das 30 Stunden, da er noch etwas schlafen muß geht sich das aus…. Klar doch, viel Spaß und machs gut……

Rinderherden auf der Autobahn sind völlig normal. Und überall werden Pilze oder Früchte verkauft . Teilweise auch getrockneter oder geräucherter Fisch.

In der Zwischenzeit sind wir in Novosibirsk angekommen, hier wird der Fluss mal richtig groß durch das Stauwerk und hunderte Milans ( Raubvögel, kleiner als Adler ) bevölkern den Himmel.

Novosibirsk hatte für mich immer den Nimbus von „ganz weit weg“ und nun sind wir hier, einfach so mal hergefahren. Die letzten Kilometer Richtung Republik Altai liegen vor uns.

Wir hatten es geschafft Russland ohne Polizeikontrolle zu durchqueren und sind darüber durchaus froh.

Fakten:

Spritpreis ca 60 Cent / Liter

6150 km gefahren seit Nähe Wien.

343 L Benin verbraucht

11 Tage gefahren, aber ohne Stress.

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© Klaus Hübner