Klaus Reisepage
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Teil 3 - IRAN 2017

 

Teil 3: Iran

 

 

 

In der Früh ging es zeitig los um die letzten 80km bis zur Iranischen Grenze schnell zurückzulegen.

 

Auch hier mal sofort wieder ein Bergpass mit 2500M am Weg mitgenommen.

Sehr abgelegene Dörfer in der Ecke, merkt man auch an der Einfachheit der Gebäude und den Hirten mit ihren Schafen und Kühen an der Strasse.

Es sind wohl auch Goldbergwerke hier, zumindest angeschrieben.

 

Die Armenische Grenze zum Iran ist schon deutlich stärker befestigt als was man es erwarten würde, auch wenn die 2 Länder keinen Stress miteinander haben.

 

Die Armenische Grenze arbeitet gemütlich, die Grenzer haben wir in der Kantine beim Tee getroffen und dort die Papiere abgegeben.

Im Unterschied zur Einreise war es hier sehr schnell vorbei und wir durch und standen auch schon an der Iranischen Grenze.

 

Unser Kontaktmann Hossein wartete schon, aber nicht der aus Urmia, sondern Hossein vom Kaspischen Meer, der deutlich bessere Reputation hatte, was die Einreiseformalitäten angeht.

 

Dadurch das wir einen Tag zu spät waren durch die Ukrainische Fähre hatten wir das Pech, den einzigen Ferientag zu erwischen, wo das Ende von Ramadan gefeiert wird.

Wir können also unsere Motorräder erst am nächsten Tag durch den Zoll bringen.

Aber kein Problem, Hossein checkt das, wir fahren mit Ihm nach Jofla und übernachten in einer Privaten Unterkunft.

 

In der Zwischenzeit führt uns Hossein am Abend noch herum, Unesco Weltkulturerbe, dann am Fluss wo es kühler ist und später ein Vergnügungspark.

 

Was aber sofort auffällt:

Die Menschen scheren sich wenig um das Regime, viele bekennen sich ganz offen zum Atheismus, schimpfen und auch einige Frauen fahren im Auto ohne Kopftuch und selbst am Fluss sitzen sie ohne da.

 

Die Menschen sind extrem offen und freuen sich, das man sie nicht als „Böse“ ansieht.

 

Nach dem ersten Tag sind unsere Empfindungen schon mal extrem positiv und am nächsten Tag geht es dann zurück zur Grenze um die Motorräder mit dem Carnet rauszubringen.

 

Aber in der Früh noch schnell ein Frühstück und ich sehe Grafitties an den Wänden eines Gebäudes und bitte Hossein anzuhalten, weil ich die fotografieren will.

Man sieht eine Frau mit Verschleierung, und eine große Hand versucht das runterzureissen.

 

Auch Hossein ist begeistert und fotografiert mit mir mit.

Da noch mehr Graffities an der Wand sieht schaut er genauer, weil er das für eine Schule hält.

Doch im nächsten Moment wird er kreidebleich, stammelt was von „Fuck, Security police building „ und wir müßen sofort weg.

 

Nun, an der Grenze hat das Carnet ein paar Stunden gedauert, auch wenn alle freundlich waren und wir sind am Nachmittag um 16 Uhr weg und haben dann die knapp über 200km nach Tabriz abgebogen.

Hitze auf der Strecke mit 43° , das war schon eine Ansage.

Aber in Tabriz wieder alles gut, nettes Hotel gefunden, in der Stadt rumgelaufen und dann ab ins Bett.

 

Und am Tag darauf Offday, also rumlaufen, alte Moschee besuchen, dann den Bazaar, und ich später zum Friseur.

 

Und auch hier wieder diese tollen Erlebnisse.

Beim Friseur wird auf das Regime geschimpft, ganz offen, neben Anderen Leuten, dazu Rap und Rockmusik aus dem Westen gehört ( ist streng verboten ) und man merkt das sich die Jugend nichts mehr gefallen läßt.

Einige Jugendliche kommen dazu und es ist richtig nett.

 

Beim Spaziergang werden wir auch von vielen Frauen angesprochen, von jungen und sehr hübschen, bis Alten und sehr Religiösen.

Aber aus reiner Neugier Ihrerseits, wo wir herkommen, was wir machen, wie wir ihr Land sehen.

Die Leute wissen das sie im Westen als „Böse“ dargestellt werden und wollen uns zeigen, das es nicht so ist.

Und wir merken, das dieses Vorurteil, man darf nicht mit Frauen reden darf überhaupt nicht stimmt.

All dies geschieht in der Öffentlichkeit und es stört niemanden.

 

Wir sind fast traurig, das wir diese echt nette Stadt verlassen müßen.

Aber wir haben 690 km bis Teheran vor uns.

Und die waren in einer Affenhitze zu bewältigen.

Auch hier wieder über 44°.

 

Verkehr etwas motiviert, in Teheran rammte mich noch ein Auto, ich hab das auch kommen sehen und mich über den Typen geärgert, und nicht nachgegeben. Pech für Ihn, Koffer gegen Türe 1:0. Und dann Tschüß im Verkehr... beim nächsten Mal nachdenken.

 

Eigentlich war der Plan, bis Isfahan zu fahren und uns die Stadt 2 Tage anzusehen, jedoch warten wir immer noch auf das Turkmenistan Visa ( Die haben immer wieder gemeint, da fehle noch dies und das, und wir mußten alles nachreichen.

Also hatten wir den Plan, in Teheran zur Botschaft zu fahren und das zu organisieren.

 

Das mit Teheran stellte sich als sehr gute Sache heraus, denn wir rannten viel in der Stadt herum um uns Sachen anzusehen.

Und anstatt großer Kultur lernten wir viele Menschen kennen und haben so nach unserer Meinung das Land fast besser kennengelernt.

Denn schöne Moscheen finden wir noch genug am Weg um auch davon schöne Fotos zu machen.

 

In Teheran haben wir uns Zeit genommen und sind auf den Milad Tower, mit 435 Metern der Sechsthöchste Turm der Welt.

Wir sind mit dem Panorama Lift ( Hab ich schon mal erwähnt das ich Höhenangst habe ) hinaufgefahren auf die höchste für Besucher begehbare Plattform mit 302 Meter.

 

Auch hier wieder verrückt, die Frauen wollten immer von uns wissen woher wir kommen, wie wir Ihr Land sehen.

Und eine Hostess kam an und hatte Ihr Handy dabei und youtube offen und wollte von uns wissen, welche Horrorfilme im Westen berühmt sind, denn sie will Horrorfilme ansehen.

Ganz ungeniert neben allen Anderen Menschen.

 

Also wir merken immer mehr, die Jugend scheißt auf das Regime und tut was sie will.

Es wäre auch kein Problem an Alkohol und Drogen zu kommen ( tun wir aber nicht, das lassen wir wirklich aus, Drogen sowieso )

 

Und seit dem Tag wissen wir auch, das es offene Prostitution und Strassenstrich gibt.

Wir würden die nicht erkennen, aber an der Art wie man das Kopftuch trägt und wie die “Damen“ schauen würden das Wissende erkennen.

Für die Leute hier ist das Trinken von Alkohol ihr Protest gegen die Regierung und die Mullahs.

 

Wir treffen auf der Turkmenischen Botschaft auch 2 Transalpfahrer, die mich im Vorfeld angeschrieben haben und die auch ihre Transitvisas beantragen wollen.

Große Freude und wir gehen schon gemeinsam auf ein Antialk Bier .

 

Nachmittag verbringen wir im (großartigen ) Golestan Palast, und langsam überlegen wir uns, ob wir nicht für die vielen Selfies mit uns Geld verlangen sollten.

Wir werden von einem sehr alten und gebildeten Mann in Deutsch angesprochen, der uns bittet der Welt zu sagen das sie auch nur Menschen sind wie alle Anderen, und nicht böse.

Nebenbei gesagt, wir werden oft in Deutsch angesprochen.

 

Beim Essen würden wir uns mehr Vielfalt wünschen, wir sind schon richtige Experten In Kebab und Grilled meat.

Und wir zählen die Tage, bis es wieder echtes Bier gibt.

Zumal man auch kaum Kaffee bekommt, und wenn dann teuer, auch für unsere Verhältnisse.

 

Achja:

Angebot. Wir waren in Kaufhäusern, und es gibt hier eigentlich nichts, was es nicht gibt.

Von Addidas über Puma, alle Bekleidungsmarken, alle Schmuck und Parfummarken, alle Art von Elektronik.

Wirklich Alles, modernste Fernseher, modernste Handys und alles was man kaufen will.

 

Ebenso fällt auf, das es Alles an Technologie und Autos usw gibt.

Und was halt wegen des Embargos nicht vom Westen kommt, das kommt eben aus China.

Machen halt die das Geschäft wenn es der Westen nicht macht.

Nur beim Amerikanischen Embargo fällt Coca Cola aus der Reihe, das gibt es überall.

 

Inzwischen war auch unser letzter Tag in Teheran vorbei und es ging ans Kaspische Meer.

Hier wollten wir sehen ob wir inzwischen entweder das Transitvisa bekommen haben oder das Visa für Aserbaidschan online beantragen.

So sehen wir, ob wir dann nach Osten oder Westen weiterfahren.

Und im schlimmsten Fall haben wir 1 oder 2 Tage am Meer.

Gibt Schlimmeres.

 

Die Fahrt durch die Berge war wieder einmal genial schön. Kurz nach Teheran begann der Anstieg über eine Hauptstrecke, die aber sehr verwinkelt ist.

Und die nach relativ kurzer Zeit auf 3300 Meter hinaufgeht.

Und auf dem Pass findet man Schäfer, ein Schigebiet und einige rustikale Essensbuden.

 

Hier wurden wir von einer Gruppe Iraner zum Essen eingeladen . Auch ist diese Freundlichkeit manchmal schon beschämend, wir können so wenig zurückgeben.

 

Es ging dann nochmal 70 km über kurvigste Strassen weder abwärts auf Meeresniveau, und wir erreichten Chalus, wo wir uns auch ein Hotel suchten ( Und einen Kebabbude )

Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, das ich mich schon wirklich auf ein kaltes Bier freue, so mit Geist und so. J

 

Hier auch wieder ein Tag Auszeit, wir warten immer noch auf das Transitvisum von Turkmenistan oder auf das Visum von Aserbaidschan.

 

Den Tag nutzen wir um einmal richtig Strandurlaub zu machen, so mit Meer und Schwimmen gehen usw.

 

Ist auch toll, wir werden überall angesprochen, müßen Selfies mit allen möglichen Leuten machen. Roland bekommt noch einen Sonnenbrand und Sonnenstich, weil er mit einer Familie im Wasser Volleyball spielt. Ich schau lieber zu und hab keinen Sonnenstich.

 

Nach dem tag ist die Entscheidung gefallen, wir fahren Richtung Aserbaidschan, Turkmenistan können wir vergessen.

Noch nie habe ich so eine unfreundliche und ignorante Visaabteilung erlebt wie bei den Turkmenen. Mögen die alle Pickel am Arxxx bekommen und zu kurze Arme ums ich zu kratzen.

 

Tagesziel ist Anzali ca 100km vor der Grenze, unsere Einreise geht erst ab dem 7.7.

Also warten.

 

Auch hier wieder unterwegs Rolands Stimme in der Intercom:

Haben wir eigentlich die Pässe ?

Mist, die liegen noch im Hotel, also wieder über 100km retour...

 

Irgendwann nach 20 Uhr erreichen wir dann Anzali und freuen uns schon auf Aserbaidschan, wo es endlich wieder ein „echtes“ Bier gibt.

 

Am nächsten Tag weiter, die 150 km bis zur Grenze und dann nochmal schnell die restlichen 250km bis Alat, dem Fährhafen in Aserbaidschan.

 

So zumindest der Plan..

Und wieder die Rechnung ohne den Wirt.

Durch das abgelehnte ( bzw immer noch nicht ausgestellte ) Visum für Turkmenistan können wir nicht den Grenzübergang nehmen, der im Carnet steht.

Das ist ein Problem.

Prinzipiell lösbar, aber nicht heute, weil es sich bei Freitag um den muslimischen Sonntag handelt.

Also warten bis morgen, und dann ( hoffentlich ) endlich weiterkommen.

 

Schön langsam wird es mühsam, und ich fange an die Turkmenen wirklich zu hassen.

 

Wir werden auch och einmal privat zu Hossein eingeladen, das ist nett, aber trotzdem wollen wir endlich weg hier.

 

Inzwischen ist es Montag und ich habe den Bearbeitern klargemacht, wenn wir nicht in 2 Stunden unsere Ausreisepapiere haben, dann schalte ich die Botschaft ein und das ganze läuft dann über ihre vorgeschaltenen Stellen.

Mal sehen.

So schön der Iran ist, so mühsam sind seine Behörden.

 

 

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© Klaus Hübner