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TEIL 13 - Ukraine - Polen - Slovakei bis nach Hause

TEIL 13 – UKRAINE-POLEN-SLOVAKEI RÜCKREISE

 

Mitten im Niemandsland zwischen Russland und Ukraine.

 

Die Autofahrer in der Schlange deuteten mir alle, das ich vorfahren sollte ( was ich eh gemacht hätte )

Vorne stoppte mich dann ein Grenzsoldat und ließ mich nicht weiter.

Nach einiger Zeit gab er mir zu erkennen, das ich wohl ohne Finanzielle Zuwendung hier ewig warten würde.

Also habe ich gezwungenermaßen diese Korruptionsabgabe gezahlt, auch wenn es nicht viel war, so hat es mich doch richtig geärgert, das war Erpressung.

Bei den Russen habe ich sowas nie erlebt.

 

Der Rest der Kontrolle war einfach, und ich war schnell durch.

 

Nach der Grenze abartig schlechte Strassen, nur Schlaglöcher, die man nicht vermeiden konnte, ich bin einige Zeit 50 gefahren, und mir war klar das ich so nie bis Kiev komme solange es hell wird.

800km standen am Tagesplan, wollte ich doch am nächsten Tag Abends Wolf und Karim an der Ukrainisch / Slowakischen Grenze in Ushgorod treffen

 

Die Strasse war wirklich ein Ritt, irgendwann hab ich dann bemerkt, das die Temperaturanzeige nichts mehr anzeigt.

Hat mich aber nicht beunruhigt, weil der Ukrainische Grenze da an den Kabeln rumgerissen hat, um die Fahrgestellnummer am Lenkkopf zu sehen.

Ich dachte mir noch, da schau ich am nächsten Tag in der Früh mal drüber.

Noch dazu wo ich wußte, das da unten ein Stecker dafür war.

 

Die Strassen wurden besser, ich war ca 250km vor Kiev, als ich mal kurz stehenblieb.

Sofort ging Dampf auf und ich dachte nicht schon wieder.

Erster Verdacht, das der Kühler wieder undicht war.

War es aber nicht, als ich Wasser nachleerte, rannte das auf der anderen Seite raus.

 

Auch hier wieder ssofort Einige Leute die helfen wollten.

Ein Paar im Auto, ein Russischer Motorradfahrer und eine Truppe an Java Fahrern boten Ihre Hilfe an.

 

Schnell war das vermeintliche Problem entdeckt, ein Kühlerschlauch war links heruntergegangen.

Also schnell wieder raufgeben, Wasser rein und weiterfahren, so mein Plan. Und die Leute haben mir noch Wasser dagelassen und ich hab sie verabschiedet.

 

Aber der Schlauch vom Kühler zur Wasserpumpe war nicht wieder zu montieren, der war 7cm zu kurz.

Das war eigenartig, warum zu kurz.

Also mal schauen, ist unten was kaputt? Nein, alles OK, Oben sieht es auch normal aus.

 

Aber plötzlich sehe ich, das der Rahmen unter dem Lenkkopf einen Bruch hat und sich ca 7cm gesenkt hat.

 

Und plötzlich machte Alles einen Sinn.

Jetzt war klar, warum das Motorrad beim voll Einschlagen Vollgas gab und gleichzeitig auskuppelte ( was praktisch war ) Weil die Züge wegen dem Bruch zu kurz waren.

 

Und warum das Motorrad nur mehr kerzengerade am Seitenständer stand und ich immer genau schauen mußte, wo ich es abstellte.

 

Und das Problem hatte ich seit dem Unfall.

Also war ich sicher, das ich seit dem Unfall fast 7500km mit Rahmenbruch herumfahre, nur hat sich der eben durch die schlechte Strasse nach der Grenze und den Schlaglöchern komplett gesenkt.

 

Das war es dann.

Anfangs wollte ich noch versuchen, Rahmen und Motor mit einem Zurrgurt wieder soweit zu heben, das ich zumindest den Kühlerschlauch wieder dran bekomme und bis Kiev weiterfahren kann.

Habe ich aber wegen Erfolglosigkeit aufgegeben.

Danach war klar, ich muß Hilfe holen, ich war ja mitten in der Pampa im Nirgendwo.

 

Also OEAMTC angerufen ( Österreichischer Automobilclub )

Die haben sofort professionell Hilfe organisiert.

 

Kurz darauf hat mich eine perfekt Englisch sprechende Ukrainerin vom örtlichen Automobilclub angerufen und alles abgeklärt.

 

Wo ich bin, da konnte ich die genauen GPS Daten angeben, dann was mein Problem ist und wo ich hinwill.

 

Der Automobilclub würde mich in die nächste größere Stadt schleppen, und dort in eine Werkstatt bringen.

Wenn ich nach Kiev will, müßte ich für die 100km aufzahlen.

Wieviel ? maximal 50 Euro. Also da denk ich nicht lange nach, das nehme ich und bin dafür in einer großen Stadt, wo sich Probleme leichter lösen lassen.

 

OK, der Pannenfahrer benötigt minimum 3 Stunden aus Kiev und wird gegen 21.30 kommen.

Es wurde dann 22.30. und wir haben das Motorrad dann auf die Ladefläche des Abschleppwagens verladen.

Sieht lustig aus so ein Motorrad alleine da hinten.

 

Die Wartezeit war witzig, mitten in der Nacht stockdunkel ohne irgendwas zu sehen.

Ab und an kamen Fahrzeuge vorbei, einmal ist ein Militärtransport stehengeblieben und wollte helfen.

Die hätten mein Motorrad aufgeladen und mich in ein Dorf zu einem Schweisser gebracht, aber da war ja der Pannendienst schon unterwegs.

Also auch hier, jeder würde gerne helfen, Probleme sind lösbar.

 

Aber mit dem Pannendienst hatte ich auch einen Glücksgriff gemacht.

Jüngerer Fahrer, der sehr bemüht war.

Der hat mir sofort in der Nacht sein Land erklärt, nicht ohne Stolz.

Und mich nach Kiev zu einer Honda Generalvertretung gebracht.

Wir sind durch ein echt übles Gewitter, also hatte ich mit der Panne auch Glück, sonst hätte ich da direkt durchmüßen, so blieb ich trocken.

 

In der Stadt das Motorrad um 02.30 bei Honda abgeladen, der Security hat versprochen wie auf seine Großmutter darauf aufzupassen ( ich hoffe die lebte noch )

 

Dann hat mich der Pannenfahrer noch quer durch die Stadt in mein Hotel gefahren, was der Ukrainische Automobilclub für mich gebucht hat.

Immerhin waren es zwischen Hotel und Honda 20km (!!) Stadtverkehr.

Kiev ist sehr groß.

 

Und der Fahrer hat mir in der Nacht noch „sein“ Kiev gezeigt, den Maidan, die Innenstadt, und sonstige Sehenswürdigkeiten.

 

Um 3 waren wir im Hotel, er ist geblieben ob auch wirklich alles OK war mit der Reservierung.

Ich bekam eine kleine Suite im 20. Stock mit Blick über Kiev und hab mir erstmal noch schnell ein Bier geholt als Tagesabschluss.

 

Am nächsten Tag sollte ich ja bei Honda auflaufen um mein Problem zu klären.

 

In der Früh um 8 etwas fertig auf, zuerst Frühstück ( das Wichtige immer zuerst ) und dann ein Taxi an der Rezeption bestellt.

Ab zu Honda.

Dazwischen auch Anrufe vom Ukrainischen Automobilclub, ob alles OK ist, ob ich Hilfe benötige.

Ich könne Olga jederzeit anrufen, die organisiert alles

Muß sagen, ein super Service.!!

 

Bei Honda angekommen bin ich mal zum zuständigen Abteilungstypen für Motorräder.

Der hat mich gesehen, nur gelacht und mal zuerst erklärt das er ehrlich gesagt die Transalp als ein Desaster sieht, und das Motorrad einfach komplett kaputt ist.

 

Es wäre ja nicht so, das er Unrecht hatte, aber das war nicht das was ich hören wollte.

Ich hab Ihm und dem Mechaniker dann die Stelle gezeigt, wo der Rahmen gebrochen ist.

 

Und dann mal verhandeln.

Problem bei Honda, ein Mechaniker da, Einer krank, Einer auf Urlaub.

Und man kann helfen, aber dauert eine Woche.

 

Puhhh, unmöglich, ich muß in 3 Tagen in Wien sein und arbeiten.

Also was kann man machen ?

Gerne extra was zahlen, damit es schneller geht?

 

Als ich Ihnen dann erklärt habe, wo ich damit rumgefahren bin, und das ich in der Mongolei einen Unfall hatte, da war dann alles anders.

Der Mechaniker hat sich bereit erklärt eine Nachtschicht einzulegen, damit in der Früh der Schweisser das sofort richten kann, und nach Feierabend am nächsten Tag baut er wieder alles zusammen. Ohne extra Geld.

Es mußte ja der Motor und die Gabel ausgebaut werden, um an der Stelle schweissen zu können, und den Rahmen wieder soweit hochzubiegen

 

War ich anfangs frustriert, weil ich dachte hier nur bei einer Werkstatt zu sein wo man eine Nummer ist, so fand ich die Leute großartig, es waren selbst leidenschaftliche Motorradfahrer die sich wirklich um Hilfe kümmerten.

 

Nun gut, ich hatte Zeit, den restlichen Tag bin ich durch Kiev, hab mich nur geärgert, das ich in der Früh meine Fotoausrüstung im Hotel gelassen habe.

Hab mir die Stadt angesehen und Restaurants getestet.

 

Aber so hab ich einen Grund, das ich wieder nach Kiev fahre, und dann auch gleich weiter nach Chernobyl.

 

Der Automobilclub hat mir die 2 weiteren Tage in dem Hotel auch gezahlt, und ich hab mir die Zeit genommen, meinen Blog wieder zu bearbeiten und mich etwas ausgeruht.

 

Das ich Wolf und Karim treffe, das war abgehakt, nun mußte ich nur mehr schnell heim.

2 Tage waren es noch von Kiev, 1500km, das war zu schaffen.

Abends um 20 Uhr war meine TransAlp fertig, und ich bin erst mal sehr glücklich durch die Stadt ins Hotel gefahren.

Hat sich angefühlt wie ein neues Moped, und wieder schön schräg am Seitenständer.

Ich war glücklich und sicher das ich heimkomme.

 

 

Am nächsten Morgen früh auf, ab zum Frühstück und auf das Moped.

Quer durch die Stadt nochmal ein paar Sachen ansehen und dann Westwärts Richtung polnische Grenze.

Es war anfangs kühl und wenig Verkehr, ich kam gut voran und nach Lemberg eine kurze Pause.

Letztes Mal Essen außerhalb der EU.

 

Am Nachmittag dann an der Grenze,

Kilometerlange Auto und LKW Schlangen, ich ahnte Schlimmes.

Bin aber dann einfach vorgefahren und stand kurz darauf am Ukrainischen Grenzposten.

Der hat mich sofort ins Grenzgebiet eingelassen ( das in den Ländern immer mit Zäunen und Türen versperrt ist ) und mich vorgeschickt bis zur Abfertigung. Ganz ohne Korruption, geht also auch so.

 

Ich war schnell durch, und auch sehr schnell bei den Polen. Hier die EU Einreise, die normalerweise sehr gründlich ist.

Auch hier vorgewunken und in einer Stunde war ich durch die Grenze.

 

Also ich war wieder in der EU !!

Da kam Freude auf.

Nun wäre es mir egal, wenn das Moped nicht mehr weiterfährt, hier wäre es kein Problem mehr es einfach stehenzulassen, eine Sache, die in den anderen Ländern nicht geht.

Da muß man im Falle einer Panne wenn man liegenbleibt das Motorrad erst mal verzollen.

 

Inzwischen war es ziemlich warm, und ich hab mich für die Autobahn nach Krakau entschieden.

Kurz vor Krakau zu einem MCDonalds, im Internet auf booking.com eine Unterkunft gesucht und am Abend bei sehr guter Laune in die Stadt eingefahren und noch etwas rumgelaufen.

 

Ein letztes Mal auf der Reise Abends Essen gegangen, ein Bier getrunken ( oder 2 ) und die Tage nochmal Revue passieren lassen.

 

Mir war klar, das ich die letzten 700km auch noch schaffe, und mich nichts mehr aufhalten kann mit dem Motorrad mein Zu Hause zu erreichen.

 

Auch hier wieder, in der Früh raus, Frühstück, auf das Motorrad und ab.

Eine Strecke durch die Berge in der Slovakei gesucht und gefunden, und noch ein letztes Mal Bundesstrassen gefahren.

In der Nähe von Zakopane vorbei und nach der Hohen Tatra auf die Autobahn.

 

Jetzt war nur mehr fahren angesagt, stehenbleiben maximal zum Tanken oder Pinkeln.

 

Am Mittleren Nachmittag dann in Österreich angekommen, ich war nun richtig glücklich, und mein erster Weg war natürlich zu meiner Frau in die Arbeit.

 

Froh das wir uns endlich wiedersehen und nun die absolute Gewissheit, ich habe es geschafft und bin mit Motorrad zu Hause angekommen.

 

Was immer mein Plan A war, und der wurde erfüllt.

Die ganze Zeit war ich auch mit Roland in Kontakt, der immer verfolgt hat, wie ich weiterkomme.

Er selbst war ja zu dem Zeitpunkt noch im Gips und hatte Schmerzen mit den Brüchen.

Und fahren ging bei Ihm nur mit Rollstuhl.....

 

 

Aber inzwischen bin ich zu Hause angekommen, ich hatte es geschafft !!!

 

Man darf einfach niemals aufgeben und muß nur daran glauben das es geht.

Dann klappt das auch !!!!

 

Meine Reise war damit hier wieder zu Ende.

Dort wo es angefangen hat.

Und das war für mich ein sehr wichtiger Schritt!!!!!!!

 

 

 

 

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© Klaus Hübner