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Osol Awaar - Der Unfall

15.8.2017

 

Mongolisch: Osol Awaar

Deutsch: Der Unfall

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war ein schöner sonniger Tag, und wenig Verkehr.

 

Wir freuten uns, das wir schnell vorankamen und das wenig Verkehr war.

Wir waren auch schon relativ weit, 280km nach Ulaanbaatar und 70km vor der Grenze.

 

In einiger Entfernung liefen 4 Kühe über die Strasse, nichts ungewähnliches und ich bremste ab, nicht mal stark , um die passieren zu lassen.

Im Rückspiegel sehe ich noch Roland, wie er eigentlich weit hinter mir ist.

 

Die Kühe sind fast über der Strasse, immer noch in einiger Entfernung als ich plötzlich von hinten einen heftigen Schlag bekomme und heftig durch die Luft fliege.

 

Ich bin verwundert, was geht ab.

Purzle über die Strasse, mache Überschläge, rolle oft dahin und poppe immer wieder mit dem Helm auf der Strasse auf.

Während der Überschläge denke ich noch, das kann nicht gut ausgehen.

 

Irgendwann ist es ruhig und ich höre in der Intercom Roland schreien.

Er liegt irgendwo und bekommt seinen Fuß nicht unter dem Koffer heraus.

 

Ich sehe mich mal um, neben mir liegt mein Motorrad, aber ich sehe keinen Roland und keine Africa Twin, höre aber das Schreien.

Nur in einiger Entfernung 2 Autos die angehalten haben.

 

Also klopfe ich mich mal ab, und merke mal, das vermutlich nichts gebrochen ist.

Auch wenn ich Schmerzen am Knie habe, so einmal ein Versuch aufzustehen.

 

Der Versuch funktioniert, ich kann gehen und nur mein rechter Fuß schmerzt, aber da war ich mir schon sicher, nur eine Prellung oder Zehrung.

 

Ich sehe immer noch keinen Roland, nehme mal den Helm ab, denn er antwortet auch nicht auf meine Fragen.

 

Da sehe ich ein paar Leute in den Graben auf der anderen Strassenseite laufen und schau auch mal dahin.

Und da liegt er auch , 2 Männer heben gerade das Motorrad von ihm runter und zerren ihn da raus.

Mir ist schnell klar, das er zwar nicht sehr schwer verletzt sein kann, aber schlimm genug um nicht einfach aufzustehen und weiterzufahren.

 

Die Männer haben auch die Rettung gerufen, und die Ärztin ist auch nach kurzer Zeit da.

Ablegen, Stiefel aus, Blutdruck messen, und da wird schon das Blut am Fuß sichtbar.

Der Koffer hat Ihm wohl durch den Stiefel ein Loch ins Bein geschlagen.

 

Naja, der Rest:

Roland ab ins örtliche Dorfkrankenhaus in 7km Entfernung, ein Verkehrspolizist hier, ich muß wohl mal 1-2 Stunden auf die Polizei aus der nächsten Großen Stadtb warten ( in dem Fall Sukhbaatar an der Grenze )

Inzwischen hab ich auch meine Familie in Ulaanbaatar informiert und diese Maschine läuft an.

Einen Kumpel in Österreich angerufen, das er meine Frau besucht und es ihr schonend beibringt, bevor von der Familie wer panisch anruft.

Auch das hat funktioniert.

Ich kann ja rumlaufen und organisiere jetzt alles vor Ort.

 

Aber alle Menschen hier helfen, zuerst die Mongolen, die mit mir die Motorräder aufstellen und die Sachen erstmal alle einsammeln, die auf einer längeren Strecke verteilt rumliegen.

Dann ein paar Kinder aus Jurten, die mir Wasser bringen.

 

Die Polizei ist professionell, erkennt schnell was passiert ist und wer Schuld, aber kassiert von mir Pass und Papiere ein.

Ich muß dann also später ins 70km entfernte Polizeihauptquartier.

 

Meine Stieftochter und der Bruder meiner Frau sind unterwegs, und nehmen auch einen Klein LKW mit, der die Motorräder transportiert.

Wird aber noch 4-5 Stunden dauern.

 

Also hinsetzen, und abwarten, alles läuft.

Inzwischen kommt der normale Verkehrspolizist mit seinem Privatauto und wir laden alle Sachen ein und er fährt mich zum nächsten kleinen Restaurant, wo ich warten kann.

 

Langsam bekomme ich Hunger, und esse mal was.

Mir wird langweilig.

 

Irgendwann um 18h sind meine Stieftocher und der Bruder meiner Frau da, ein Klein LKW wartet,   wir holen uns 2 Arbeiter hinter dem Haus und fahren zu den Motorrädern um sie einzuladen.

Erster Versuch, Rolands Africa Twin aus dem Graben zu fahren funktioniert, hab ich dann das DCT auch mal getestet.

Auch wenn sie Vorne übel aussieht, sie fährt.

 

Dann meine.

Die ist inzwischen auch im Graben, weil die Versuche sie so aufzustellen gescheitert sind.

Auch das fahren mit meiner Transalp funktioniert, ich drehe gleich eine kleine Ehrenrunde auf der Strasse und bin schon am überlegen, wie ich die wieder flott bekomme um heimzufahren.

 

Zuerst zu Roland ins Krankenhaus mal sehen was er hat.

Er schaut so gar nicht gut aus, alles tut weh, eine Wunde genäht und er muß am nächsten Tag in ein Krankenhaus das auch Röntgen hat.

 

Schnell aber zur Polizeistation, die bestehen darauf, das die Motorräder dort zuerst hinkommen.

Es ist schon Dunkel und wir warten auf die Polizei.

 

Weil meine Familie schon ahnte, das da was im Busch ist haben sie herumtelefoniert.

Die Schwester der Eltern meines Schwiegersohnes ( genau so ) arbeitet in gehobenem Posten am Finanzamt und ist für die Prüfungen von Behörden und Botschaften zuständig.

Und da will man auch als Polizei ja besser dastehen beim nächsten Mal.

 

Und wir hatten Glück.

In der Station wurde uns erklärt, das wir normalerweise 2-3 Wochen dableiben müßen, die Motorräder beschlagnahmt würden um die Schuldfrage und die Abwicklung der Versicherung zu klären, das es ein Unfall mit Personenschaden ist.

 

Aber weil bei uns schon ein paar wichtige Leute angerufen haben kann man das schnell regeln.

Ich muß nur auf Deutsch eine Erklärung ausfüllen, das wir das untereinander regeln und dann eine kleine „Abgabe“ zahlen, weil wir das Polizeiauto mit Öl verschmutzt haben und alles ist gut.

 

War es dann auch.

 

Ich habe mir danach vorgestellt, wie das wohl wäre, wenn man sowas ohne Hilfe von Mongolen macht, die mit Beziehungen und Landessprache das klären.

 

Man wäre ziemlich im Gaga, um nicht zu sagen in der Scheixxe

 

 

Jedenfalls sind wir in der Nacht nach der erfolgreichen Lösung um fast Mitternacht wieder zurück zu Roland in das kleine Dorfkrankenhaus und haben ihn abgeholt und in Darkhan übernachtet.

Definitv besser als die harte Pritsche für Ihn.

 

 

Heute morgen dann früh raus, und nach Ulaanbaatar.

Die Bikes waren schon da, Jagaa von Probike Mongolia und das Oasis haben sich um das Ausladen gekümmert.

Und wir sind mit Roland ins Krankenhaus.

Kurzfassung:

Nicht mal so gut, gebrochene Rippen, gebrochene Schulter, gebrochenes Wadenbein.

Plus Nähte und Prellungen und Abschürfungen ......

 

Ich sitze gerade und plane die Reparatur meines Motorrades durch.

Chancen das ich das in 2 Tagen fahrbereit bekomme liegen bei 50%, also ausreichend um es zu versuchen.

 

Plan A ist das Selbst heimfahren mit dem Motorrad.

 

Plan B ist der Zug, also die Transib und das Motorrad im Container zurück.

 

Ein paar Stimmen ( Meine Frau und Verwandte ) wollen mir immer das Wort „Flugzeug“ einflüstern.

Aber das kommt nicht in Frage.

Da wäre der Trip für mich hier aus, und das ist er definitiv nicht.

 

Ich werde berichten wie es weitergeht.

 

Und um da auch gleich was klarzustellen, bevor es Spekulationen gibt:

Ich bin Roland für die Situation nicht böse, das hätte jedem Mal passieren können. Ein unachtsamer Moment und das geht so schnell.

Er hat es auch nicht absichtlich getan und es ist ihm sehr peinlich. Und er hat deutlich mehr Probleme als ich, also in so einer Situation muß man zusammenstehen und sich gegenseitig helfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© Klaus Hübner